So geht Rechtsstaat
Die frühere Bundesjustizministerin Zypries reagierte lustlos. Da Mietnomaden ein Randphänomen seien, sehe sich die Bundesregierung nicht veranlasst, eine Gesetzesinitiative zur Abwehr des Mietbetruges zu starten.
Wer nach zwei Jahren Widerstand gegen einen zahlungsunwilligen Mieter statt einer Wohnung eine Bruchbude zurückerhält und einen Schaden von 30.000 Euro verkraften muss, sieht das natürlich anders. Die Erfahrungen betroffener Vermieter mit dem Rechtsstaat lassen sich wie folgt skizzieren: Nach der Kündigungsfrist erhält der Betrüger eine Ziehfrist, der zunächst eine Schonfrist und schließlich die Räumfrist folgen. Wer neben diesem Fristen-Festival noch Taktiken der Prozessverschleppung kennenlernen möchte, ist in diesem Kundenkreis an der richtigen Adresse. Gelingt die Zustellung des Urteils, rafft sich Monate später ein Gerichtsvollzieher auf. Dem präsentiert sich an der Tür ein angeblicher Untermieter, der im Räumungstitel nicht genannt ist. Na dann, alles auf Anfang.
Die neue Bundesregierung will den Forderungen von Haus & Grund folgen und den Mietnomaden nun endlich das Handwerk legen. Man muss dazu weder den Rechtsstaat abmontieren noch neues Justizpersonal einstellen. Wer nicht nur dem Vermieter die Mietzahlung, sondern auch die Hinterlegung der geschuldeten Summe beim Amtsgericht verweigert, sollte im beschleunigten Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes Justizerfahrungen sammeln. Auf diese Weise wäre nach wenigen Monaten der Spuk beendet und die Wohnung neu vermietet. So geht Rechtsstaat, Frau Zypries.
Dr. Andreas Stücke |